ÖVP und FPÖ sind einig: „Wir müssen unsere Kinder vor diesen verstörenden Bildern im öffentlichen Raum schützen“

Die Volkspartie und die Freiheitlichen haben heute ein gemeinsames Projekt präsentiert, das sich dem Schutz unserer Kinder vor unsittlichen, verstörenden und sexuell aufreizenden Bildern im öffentlichen Raum widmen soll. Stein des Anstoßes ist das so genannte „Kruzifix“, also das Abbild eines „fast nackten, ausgemergelten und offensichtlich tödlich verletzten Menschen“, das nach Ansicht der Protagonisten immer noch in viel zu vielen öffentlichen Gebäuden präsent ist.

Aktivisten begannen bereits, die ersten Kruzifixe mit teils selbst gestickten Tüchern zu verhüllen

Aktivisten begannen bereits, die ersten Kruzifixe mit teils selbst gestickten Tüchern zu verhüllen

WIEN (npa) – „Der Schutz unserer Kinder ist unser höchstes Anliegen“, sind sich die beiden größten konservativen Parteien Österreichs einig und präsentierten daher gemeinsam ein dahingehendes Positionspapier. „Es kann doch nicht sein, dass so viel nackte Haut ständig vor den Augen unschuldiger Kinder zu sehen sein muss. Das ist ein Irrweg und sittliche Gefährdung! Es ist doch bitteschön nichts ‚Normales‘, wenn einer so martialisch am Kreuz hängt und buchstäblich vor sich hinstirbt. Außerdem ist es blanker Sexismus“, meint etwa der Wiener Gemeinderat und Mitglied des F-Bundesparteivorstandes Johann Baptist Björn Gudenus (FPÖ).

„Unter dem Vorwand sogenannter ‚Provokation‘ werden Kinder überfordert und Eltern in ihrer Erziehungsfreiheit eingeschränkt“, heißt es dazu im Text des Positionspapiers. „Sie müssen ihren Kindern Dinge erklären, die sie vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt und in einem anderen Kontext aufgegriffen hätten.“

ÖVP: „Unsittliche Werbung, wie sie im Buche steht“

Vertreter der ÖVP verweisen auf den österreichischen Ethik-Kodex des Werberates, speziell auf zwei Passagen: „Werbung soll vom Grundsatz sozialer Verantwortung geprägt sein, insbesondere gegenüber Kindern und Jugendlichen vor dem vollendeten 18. Lebensjahr“ und „Werbung darf nicht die Person in rein sexualisierter Funktion als Blickfang darstellen, insbesondere dürfen keine bildlichen Darstellungen von nackten weiblichen oder männlichen Körpern ohne direkten inhaltlichen Zusammenhang zum beworbenen Produkt verwendet werden“.

Vielversprechender Gegenvorschlag der ÖVP zur kinderfreundlichen Werbung für die Katholische Kirche

Vielversprechender Gegenvorschlag der ÖVP zur kinderfreundlichen Werbung für die Katholische Kirche

„Obwohl es sich beim Kruzifix zwar um eine Art ‚Logo‘ oder ‚Ikone‘ einer staatlichen anerkannten Religionsgemeinschaft handle, dürfe dennoch keine derartig anstößige Darstellung im öffentlichen Raum unsere unschuldigen Kinder mitten in der Entwicklung ihrer Sexualität manipulieren“, ist auch ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon überzeugt. „Schauen Sie, ich habe in meinem Umfeld zahlreiche Katholiken, einige davon sind sogar meine Freunde, aber das heißt doch noch lange nicht, dass man richtiggehend Werbung dafür machen muss.“

ÖVP-Jugendsprecher Asdin El Habbassi sieht auch die Problematik der dargestellten Gewalt und der „eigentlich unfassbaren Brutalität“, mit der Kinder angesichts eines Kruzifixes ebenfalls unweigerlich konfrontiert werden: „Wir versuchen unseren Kindern und Jugendlichen Gewaltfreiheit zu predigen und dann hängen wir solche Zeugnisse grauslicher Folterexzesse auf? Nein, das passt einfach nicht zusammen.“

Die weiteren Schritte und Maßnahmen werden zur Stunde noch geprüft, eine Klage gegen die Macher des Kruzifixes werde jedenfalls umgehend vorbereitet und der Staatsanwalt übermittelt.

(Bild: Tom, Switzerland/flickr.com)

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