Gewerkschaft warnt: Eugen Freund vernichtet Kabarettszene

Die Gewerkschaft der Unterhaltungskünstler, Satiriker und Kabarettisten ist in Alarmbereitschaft. Der gesamten Branche werde durch öffentliche Auftritte, Interviews und andere Statements von Eugen Freund, Ex-ORF-Moderator und SPÖ-Spitzenkandidat für die Wahl zum Europäischen Parlament, zunehmend die Existenzgrundlage entzogen.

Eugen Freund und Werner Faymann

Eugen Freund und Werner Faymann bei einer ihrer pointenreichen gemeinsamen Doppelconferencen

Wien (np.at) – „Eugen Freunds Interviews, Ansprachen und öffentliche Auftritte gefährden unseren Berufsstand auf eine Weise, wie es bisher lediglich Laura Rudas, Harald Vilimsky oder Niki Berlakovich vollbrachten,“ so der Vorsitzende der Sektion „Unterhaltung, Satire und Kabarett“ des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Michael Josef Niavahader.

Sein Stellvertreter, Roland Florian Düreuba zeigt sich ebenfalls kämpferisch: „Immer wieder pfuschen uns Vertreter der Politik dermaßen brutal in unser Handwerk, dass es oft wirklich so wirkt, als wollten sie uns bewusst und vorsätzlich allesamt ruinieren. Die Menschen fühlen sich langsam so ausreichend durch diese Kasperln unterhalten, dass wir kaum noch eine mittelprächtige Halle voll bekommen. Da hat man oft mehrere Jahre Arbeit in ein wirklich rundes Programm gesteckt und dann kommt der Freund daher und gibt dem ‚Standard‘ ein Interview (Anm.: das angesprochene ITV auf derstandard.at), dass vor Lehrbuchwuchteln nur so strotzt. Das geht einfach nicht!“

Florian Sch.: „Freund schießt original jeden Gag ab“

„Ich muss – ehrlich gestanden – sagen, dass es mittlerweile keinen Spaß mehr macht, ein abendfüllendes Programm zu gestalten. Sämtliche Pointen, die ich in den vergangenen 15, 20 Jahren geschrieben habe, wurden spätestens zur Premiere längst vom Original überholt. Gorbachs Schenkelklopfer ‚I feel the world in Vorarlberg is too small‘ damals hab‘ ich in nahezu identer Form in einem Text gehabt, diese ganze Strasser-Story hätt‘ ich auch schon fast fix fertig im Programm gehabt und die Rudas hat mir wirklich fast alles, was ich über sie drin gehabt hab‘, abgeschossen. Und jetzt kommt der Eugen Freund daher. 70% seiner Aussagen der letzten Wochen hab‘ ich sinngemäß als vermeintlich großartige Gags geschrieben und wollte sie nächste Woche in der Premiere bringen. Das kann ich jetzt so natürlich vergessen,“ zeigt sich auch Kabarettist Florian Sch. (Name der Redaktion bekannt) entsetzt.

Nahezu alle Künstler, die von neuepresse.at kontaktiert wurden, stimmten unisono zu, dass Eugen Freund der traurige neue Höhepunkt einer für die Kabarettszene katastrophalen und existenzbedrohenden Entwicklung sei. Diese neue Konkurrenz mache es bald unmöglich, von Kabarett, Comedy oder Satire zu leben.

Die Kartenverkäufe für Live-Auftritte gehen massiv zurück, der Verkauf von DVDs erodiert ohnehin seit Jahren und es ist bereits jetzt kaum mehr möglich, publikumswirksame – oder gar gut bezahlte – TV-Auftritte zu bekommen, da die Sendezeit mit Faymann, Spindelegger und eben neuerdings Eugen Freund wesentlich kostengünstiger zu befüllen ist.

Edgar Böhm: „Wir wollten für und mit Eugen ein eigenes Comedy-Format produzieren.“

Die Bundesregierung alleine stelle schon ein deutlich spürbares Problem dar, aber Freund setze dem ganze noch „die Krone“ auf, heißt es auch aus Kreisen in der ORF-Unterhaltung. Dabei hätte es auch ganz anders kommen können: „Jahrelang haben wir darum gekämpft, dass Eugen von der ZIB zu uns herüberwechselt und einfach ‚er selbst‘ ist, aber er hat uns immer nur seltsam fragend angeschaut und schien irgendwie auch gar nicht zu verstehen, was wir da zu ihm sagten. Dann haben wir es irgendwann aufgegeben,“ erzählt ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm, der sogar bereits Pläne für eine Freund-Reality Show in der Schublade gehabt hätte. „Wir hätten Eugen einfach ein paar banale Fragen über Gott und die Welt gestellt und ihn frei reden lassen. So billig kriegen wir sonst niemals ein komplettes Format zusammen, dass noch dazu eine solch unvergleichliche Pointendichte aufweist.“

Armin Wolf, Stv. Chefredakteur des ORF-Fernsehens und ZIB2-Anchor erzählt auf Rückfrage durch neuepresse.at: „Eines Tages gab es ein internes Memo, dass Eugen überlege, zur ZIB2 zu wechseln – und wir uns sicherheitshalber rechtzeitig entsprechende Gegenargumente einfallen lassen sollten. Gut, dass es so viele Aufzeichnungen von Eugen ohne Teleprompter gibt, da war dann eigentlich relativ schnell klar, dass er bei uns nix verloren hat und dass er besser in die Comedy oder – und das hielten wir damals für einen gelungenen Scherz – in die Politik gehen sollte. Ich verstehe daher sehr gut, dass die Kabarettisten-Gewerkschafter auf die Barrikaden steigen.“

Bei den Privaten ist man da schon teils zuversichtlicher. „Die Plenarsitzungen des Nationalrats werden ohnehin aufgezeichnet, die Ministerräte ebenso und dann noch ein paar Büttenreden auf Parteitagen und Gipfeltreffen. Schnell zum Cutter mit dem Material, da und dort ein paar unterstützende Off-Kommentare – fertig,“ kommentiert ATV-Programmdirektor Martin Gastinger. „Wir machen ja mit unseren total superen Reality-Formaten ohnehin zwischen 14 und 16 Stunden täglich nichts anderes, da haben wir also fundierte Expertise. Natürlich ist es schade um die Kabarettisten, aber jo mei. Uns geht’s gut damit und die Wappln am Küniglberg können die Kabarettisten gerne haben. Unsere Zuschauer verstehen meistens eh nicht, was die so reden. Daher mein Fazit: Eugen Freund ist für uns ein Gewinn!“

Sektionschef Michael Josef Niavahader: „Bald sind wir am Ende“

Die ersten vielversprechenden Nachwuchskabarettisten der heimischen Szene hätten bereits aufgegeben, berichtet Niavahader. Sie kehren in ihre angestammten Berufe zurück, holen Qualifizierungsmaßnahmen nach oder senken ihr Niveau, so weit sie es eben schaffen, um vielleicht doch noch bei den Privaten im Nachtprogramm unterzukommen. Die Alteingesessenen geben nach und nach auf. In einem besonders schicksalshaften Fall musste der Betreffende bereits seine Sammlung von US-Autos verkaufen, Friseurtermine einsparen und sattle mittlerweile gar auf professionelles Briefeschreiben um, berichten Insider.

Wie die Kabarett- und Unterhaltungsbranche langfristig überleben soll, sollte Eugen Freund weiterhin aktiv in der Politik tätig sein, ist aus heutiger Sicht völlig unklar. Es steht jedoch fest, dass der Druck durch amokredende Politiker mit schwerer Logorrhoe weiterhin steigen wird.

Drücken wir mal die Daumen.

(Bild: SPÖ Kommunikation via flickr.com/CC)

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